1951: Bei Hugo Blödorn gab es Fernsehen im Schaufenster

Sie kamen aus der Druckerei, die altbewährten Medien Flugblatt, Buch, Zeitung und Zeitschrift. Im 20. Jahrhundert traten unversehens ganz andersgeartete Medien hinzu. Zuerst meldete sich der Rundfunk. Mit
dessen Hilfe konnte ein politischer Agitator die Zuhörerzahl in die Höhe treiben. Seine großen Stunden hatte das Medium Radio, als die extreme Rechte Deutschland in den Griff bekommen wollte.


Es gelang. In den Jahren 1933 bis 1945 wurde demonstriert, dass für parteipolitische Propaganda der Rundfunk das ideale Medium war. Eine Steigerung der Möglichkeiten musste darin liegen, dass zum Ton das Bild kam, Mimik und Gestik als Interpretationshilfe.


1949 war der WA auf der Medienbühne aufgetaucht. 1951 gab das Fernsehen in Winsen seine Visitenkarte ab. Die Stadt erlebte eine Fernsehsendung, und zwar im Schaufensterbereich des Licht- und Radiohauses Hugo Blödorn neben dem Winsener Rathaus am Freitag, dem 9. November 1951, abends von 20 bis 22 Uhr.


Die Winsener strömten in Scharen herbei. „Die Sensation im Nebel: Fernsehsendung“ lautete anderntags die Überschrift des WA-Berichts.

 

Alle Generationen drängten sich auf dem breiten Bürgersteig vor Blödorn. Die Besucher standen bis auf die Straße, damals noch die Bundesstraße 4. In dem brauenden Nebel über der Stadt eine beleuchtete Szene vor einem Fernsehempfänger. Der WA war von dem technischen Fortschritt so begeistert, dass er über den Inhalt der Sendung gar nichts anmerkte.


Erst ein Jahr später am ersten Weihnachtstag 1952 begann das öffentliche Fernsehprogramm, ausgestrahlt vom Norddeutschen Rundfunk in Hamburg. Einer der Akteure war der Dirigent Richard Müller-Lampertz, der Meister des Zwischenfachs. Dieses ist angesiedelt zwischen den großen Symphonien und der Oper nach oben und der Unterhaltungsmusik nach unten. Dazwischen liegen die komische Oper, die Operette und das Musical. In diesem Genre war Müller-Lampertz einer der erfolgreichsten Rundfunkdirigenten. Zwischen dem Musiker und dem WA entstanden enge Bande. Die Zeitung interviewte ihn. Sie rezensierte seine Konzerte. Im September 1963 zog Müller-Lampertz in die neue Wohnsiedlung am Ortsrand des Reiterdorfes Luhmühlen. Sein Nachbar war der Rundfunkmoderator Carlheinz Hollmann.


Johanna Rosemarie Müller-Lampertz, die Frau des Dirigenten, wurde beim WA Redaktionsvolontärin und blieb etliche Jahre als Redakteurin. Beliebt waren ihre Plaudereien unter dem Pseudonym LILO.