1955: Dem Gymnasium fehlte viel - nur Schüler gab es reichlich

So sieht er heute aus: der Haupteingang des Gymnasiums auf der Bürgerweide. Inzwischen gibt es ein zweites Gymnasium.

Für alles, was Schule war, gab es in Winsen lange Zeit nur zwei Bezeichnungen: Volksschule und Mittelschule. Darunter, daneben und vor allem darüber gab es nichts. Winsen kannte nicht das dreigliedrige Schulsystem. Nur wenn dann unbedingt ein Abiturient oder gar eine Abiturientin am Ende des schulischen Bildungsweges stehen sollte, hatte man diese Möglichkeit: Fahrschüler werden mit den Zielbahnhöfen Hamburg oder Lüneburg.

 

2009 trafen sich Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrgangs 1959. Vor 50 Jahren hatten sie ihr Abitur abgelegt, acht Schülerinnen und Schüler im mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig, sieben im neusprachlichen Zug.

 

Vier Jahre zuvor - 2005 - hatte das Gymnasium 50-jähriges Jubiläum feiern können. Im Jahr 1955 strich das im Entstehen (i.E.) begriffene Gymnasium den Hinweis auf seinen Status. Die Winsener Mittelschule hatte keinen Oberschulzweig mehr. Mittelschule und Gymnasium waren nun zwei selbstständige Schulen.

 

In einem Rückblick auf die Zeit vor 50 Jahren kommt eine Zeugin der neueren Winsener Schulgeschichte zu dem Ergebnis, dass es dem Gymnasium eigentlich an allem fehlte. Das einzige, was es in überwältigender Zahl gab, waren Schüler.

Werner Seiferts Lebensziel: ein Gymnasium gründen.

Vor allem fehlten Lehrer. Oberstudiendirektor Werner Seifert entwickelte viel Phantasie, Lehrer zu finden. Die Gründung des Gymnasiums Winsen betrachtete er als seine Lebensaufgabe. Das machte ihn erfindungsreich. Aushilfskräfte stellten zum Beispiel den Unterricht in Sport, Kunst und Musik sicher. Der Oberstudiendirektor war der Motor beim Aufbau des Gymnasiums.

 

Auch das kulturelle Leben der Stadt sollte durch seine Schule gestützt werden. Es waren die "Akademischen Vorträge" aus verschiedensten Fächern des universitären Lebens. Es war die Erweitertung des Musikunterrichts durch die Generalproben der Schlosskonzerte. Unter Seifert war es auch möglich, die Patenschaften des Landkreises Harburg und der Kreisstadt Winsen durch eine Patenschaft des Gymnasiums Winsen zu erweitern. Die Partner waren der ostpreußische Grenzkreis Schlossberg, die Kreisstadt Schlossberg und die örtliche höhere Lehranstalt. Die ehemalige Friedrich-Wilhelm-Oberschule Schlossberg richtete in dem Winsener Schulgebäude einen Traditionsraum ein. Darin bewahrt man verschiedene Archivalien aus der ostpreußischen Geschichte. Hier lagern auch die jedes Jahr anlässlich des Abiturs den abgehenden Schülern geschenkten Alberten. Es handelt sich um eine Anstecknadel mit einem Brustbild Herzog Albrechts von Brandenburg, des Gründers der Universität Königsberg.

 

Für beide Schulen, die Mittelschule und das Gymnasium, war auf dem Bauland Bürgerweide genug Platz. Auch der Neubau für die immer wichtiger werdende Berufsschule konnte am Ostrand der Stadt errichtet werden. 1983 beispielsweise waren in den Berufsbildenden Schulen 133 Lehrer tätig. Die Zahl der Schüler betrug 3144. Es war die größte Schule innerhalb des Kreises.

 

Mit dem Gymnasium in Roydorf erhielt Winsen 2004 das zweite allgemeinbildende Gymnasium. In den Berufsbildenden Schulen gibt es die Möglichkeit, im Fachgymnasium Wirtschaft oder im Fachgymnasium Technik das Abitur zu machen. Ein drittes Fachabitur steht unter hauswirtschaftlichem Zeichen.

 

 

 

In der Aufbauphase des Gymnasiums wurde auch in der Villa Eppen unterrichtet.