1957: Nur das Strandfest blieb hoffnungslos auf der Strecke

Natürlich hatte das neue Bad eine Rutsche.

Ihre Badeanstalt, ihr Freischwimmbad oder ihr Hallenbad sahen die Winsener stets als eine lebenswichtige Einrichtung an. Der Winsener Raum wird durchflossen von Luhe, Ilmenau und Seeve. Die Nordgrenze bildet die Elbe. Gefahren lauern auch in den zahlreichen Bracks. Neuerdings kamen Baggerseen dazu. Wer in solch einer Umgebung lebt, muss schwimmen und retten können. Ungewöhnlich stark war der Zulauf zur Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG). Dasselbe galt für den Winsener Schwimmverein (WSV). In den öffentlichen Bädern genoss man nicht seine Freiheit. Man machte sich fit für den Kampf gegen den Tod durch Ertrinken.


Anfang der 30er-Jahre hoben Arbeitslose zwischen Eppens Allee und Luhe große Becken für Schwimmer und Nichtschwimmer aus. Es entstand die Badeanstalt Zwickelteich, eine Anspielung auf die äußerst kurz
geschnittenen Badehosen für die männliche Jugend. In solche Badehosen musste ein Zwickel eingenäht werden, damit kein Körperteil unbeabsichtigt hervorlugte.


Mit der Badeanstalt aus den 30er-Jahren ging es durch die Kriegsjahre und die Nachkriegszeit. Erst 1956 begannen die Arbeiten für ein neues Freischwimmbad. Die Stadt konnte mit ihrem Grundbesitz auf der Bürgerweide dienen. Der großzügige Neubau mit 50-Meter-Schwimmbahn, Dreier-Springanlage, drei Meter tiefer Grube für Taucher und Lehrschwimmbad war ausgerichtet auf die Ausbildung im Schwimmen und Retten. Eine der Schülerinnen war die Olympia-Siegerin Karin Seick.


Der 8. Juni 1957, der Tag der Eröffnung, war ein Festtag für Winsen. Nur eines fehlte den Winsenern zu ihrem Glück. Das heißgeliebte Strandfest war auch jetzt nicht in Sicht. 15 Mal war auf dem Gelände des
Zwickelteichs Strandfest gefeiert worden - mit Vorführungen auf dem Wasser, mit Musik und Tanz, mit vielen späten Bieren. Die Strandfeste wurden in den folgenden Sonntag hinein gefeiert. Auf der  Bürgerweide unternahm man einen Versuch, das Strandfest wiederzubeleben. Er gelang nicht.

 

Das neue Freibad auf der Bürgerweide besaß einen Sprungturm.

                 

Hermann Albers ortete eine warme Sole.

Dagegen schien eine Fata Morgana zusätzliche Freuden zu verheißen. Hermann Albers aus Bahlburg prophezeite mit seiner Wünschelrute aus Draht und Holz, dass Winsen ein Thermalbad werden konnte. Im
Radbrucher Forst geriet seine Rute in heftige Bewegung. Albers glaubte zu wissen: In einer Tiefe von 350 bis 400 Metern bewegte sich auf einer 60 Meter breiten Front 28 Grad warme Sole auf Winsen zu. Diese Therme konnte man anbohren und ein Thermalbad bauen.


Albers war Mitglied des Rates der Stadt Winsen. Er hatte keinen Zweifel, dass Probebohrungen ein positives Ergebnis hätten. Aber ein Antrag wurde nicht formuliert und nicht diskutiert. Glaubte man, man könne sich lächerlich machen? Nur Spinnkram?


Alte Winsener erinnern sich der Segnungen warmen Wassers. Gleichzeitig mit dem Zwickelteich war seinerzeit eine Warmbadeanstalt entstanden. Dort konnte man warme Dusch- und Wannenbäder nehmen.

 

Immer komfortabler: das Hallenbad auf der Bürgerweide.