1958: Zum 800. Geburtstag wird Winsen Kreissitz

Die Urkunde von 1158.

Geradezu ein Epochenjahr war das Jahr 1958. Winsen beging sein 800-jähriges Bestehen. 1158 geschah in einer Urkunde des Bistums Verden die erste Erwähnung des Ortes. Im Stift Bardowick bekam der Probst fünf Sechstel sämtlicher Einkünfte. Alle übrigen Kanoniker mussten sich das verbleibende Sechstel teilen.  Künftig sollten die Kanoniker zwei Drittel bekommen. Ein Drittel erhielt der Probst. Um zu wissen, worüber man eigentlich sprach, wurden in der Urkunde sämtliche Einnahmen des Stifts aufgezählt, darunter Zehntzahlungen aus Winsen.


Stadt und Schützenkorps einigten sich, das Stadtjubiläum und das Schützenfest zusammenzulegen. Und so wurde der Sonntag, der 6. Juli 1958, zu einem epochalen Sonntag. Im Mittelpunkt der Festlichkeiten stand ein Umzug durch die Stadt, wie ihn Winsen noch nicht erlebt hatte.

 

Vier Kilometer lang zogen Vergangenheit und Gegenwart an den staunenden Menschen aus der Kreisstadt und dem Kreisgebiet vorbei. Der Vorbeimarsch beanspruchte eine volle Stunde. Ein Gendarm mit Pickelhaube schritt dem Gefährt mit der aus Blumen gesteckten „800“ voran.


Stadt und Schützenkorps waren im Zug vertreten. Noch hatte Winsen seine „MGW“, seine Molkerei-Genossenschaft Winsen. Es arbeiteten die Papierfabrik Johann Hinrich Eppen und die Werkzeug-Maschinenfabrik Alfred Eriksen.


Star auf dem Schützenplatz war der populäre König '58: Heinrich Schipper Rieckmann.


Noch einen weiteren Triumph hatte Winsen zu melden. Frauke Weber, ein Mädchen aus der Luhestadt, war zur Heidekönigin gewählt worden. Klar, dass auch Königin Frauke im Festumzug mitfuhr, eine goldene Krone im Haar und immerzu jung und schön lächelnd.

 

Es gab noch einen dritten Grund, im Sommer 1958 zu feiern. Soeben war Winsen Kreisstadt geworden.


Die Rolle der Kreisstadt zu spielen, war Winsen nur allzu vertraut. Von 1885, als die Preußen in ihren hannoverschen Landen die Kreisverfassung einführten, bis 1932 fungierte Winsen als Kreisstadt. Dann allerdings kam eine preußische Verwaltungsreform zum Zuge: Aus dem Kreis Winsen und dem Kreis Harburg wurde der neue Landkreis Harburg gebildet. Die Stadt Harburg selbst war künftig ein Stadtkreis.


Durch das Groß-Hamburg-Gesetz des Jahres 1937 schied Harburg aus der Provinz Hannover aus und  gehörte nun zur Hansestadt Hamburg. Gleichwohl blieb die Kreisverwaltung für den Landkreis Harburg in Harburg sitzen.

 

Bis bei einem Luftangriff anno 1944 das Kreishaus in der Eißendorfer Straße den Bomben zum Opfer fiel. Provisorisch wurde Winsen zum Kreissitz.


Die offizielle Bestätigung folgte erst am 30. Juni 1958. Mit 21 zu 18 Stimmen machte ein Kreistag in Brackel Winsen zur Kreisstadt.

Heidekönigin Frauke Weber mit Bürgermeister Dr. Fritz Broistedt.

Am 10. März 1961 wurde das in den Luhegärten hinter der westlichen Bahnhofstraße (heute Rathausstraße) errichtete Kreishaus eingeweiht. Fürwahr ein großer Tag für Winsen!


Landrat Otto Schneider und Oberkreisdirektor Dr. Andreas Dehn konnten illustre Gäste in der Kreisstadt begrüßen, insbesondere den niedersächsischen Ministerpräsidenten, Hinrich Kopf, und Hamburgs Ersten Bürgermeister, Dr. Paul Nevermann.


Der Winsener Bürgermeister, Dr. Fritz Broistedt, übernahm es, die Glückwünsche der 137 Gemeinden des Landkreises zu überbringen: "Als Bürgermeister dieser kleinen, heute festlich geschmückten Stadt, der größten Gemeinde unseres Landkreises, ist mir die Ehre zuteil geworden, das Grußwort aller 137 Gemeinden unseres Landkreises zu sagen. Niemand tut dies mit größerer Freude als ich, der ich durch nahezu sieben Jahre mich bemüht habe, das neue Kreishaus nach hier zu bekommen und damit den Kreissitz Winsen zu erhalten..."

 



Ein bunter Umzug durch die Winsener Innenstadt.