1962: Jahrhundert-Sturmflut und Bundesgrenzschutz

In Bullenhausen riss die Flut ein Loch von 103 Metern in den Elbdeich.

Fünfundvierzig (!) Stunden lang tobte aus Westnordwest ein Orkan, und zwar mit 80 bis 100, in Böen auch mit 120 Stundenkilometern. Dazu rollte aus dem Atlantik eine Dünungs- oder Fernwelle heran. Die Folge war die Flutkatastrophe in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962. Sie forderte 340 Menschenleben, die meisten auf der Elbinsel Wilhelmsburg.


Im Winsener Kreisgebiet waren fünf Menschenleben zu beklagen, vier in Achterdeich, eins in Rübke bei Neu Wulmstorf. Auch hinsichtlich der Sachschäden stand Achterdeich auf Platz eins. 20 Häuser wurden zerstört.

                    

Das Storchennest widerstand dem Orkan.

                  

Auch Winsen war 1962 betroffen.

In Bullenhausen brach der Elbdeich auf einer Länge von 103 Metern. Entlang der Vogtei Neuland konnte der Elbdeich gehalten werden. Aber die große Flut kam über die noch nicht abgeschotteten Flüsse Seeve und Ilmenau von hinten. Im Bereich des Harburger Deichverbandes, des Deich- und Wasserverbandes Vogtei Neuland und des Wasserverbandes Viefeld (Ilmenau-Kanal) brachen die Deiche an 26 Stellen!


Seit 1976 schützt das Ilmenausperrwerk die Stadt Winsen. Die Erhöhung der Elbdeiche ist bis in die Gegenwart ein Thema geblieben.


Mitte Februar 1962 kam die Flutkatastrophe, Anfang Juni 1962 kam der Bundesgrenzschutz (BGS). Die Technische Grenzschutzabteilung Nord kam sozusagen zu spät. An der Wasserfront im Winsener Raum hätte man sie erfolgreich einsetzen können.

Anfang JUni 1962 zog der Bundesgrenzschutz mit klingendem Spiel in seine neue Garnisonsstadt ein. Hier passieren die BGS-Männer gerade das Winsener Rathaus. Auf der Rathausstraße ist es voll wie sonst eigentlich nur, wenn Stöckter Faslam ist.

Die Nachricht im Jahr 1962 lautete: Winsen wird Garnisonsstadt. Das bedeutete einen wichtigen Impuls für Handel und Wandel in der aufstrebenden Stadt. Die Offiziere und Unteroffiziere bauten in Winsen und wurden Winsener Bürger. Die Mannschaften belebten die Gastronomie und die Geschäfte im Stadtzentrum. Ja der Bundesgrenzschutz (BGS) ergriff die Initiative und lud die Winsener in seine Kantine zum BGS-Ball. Dieser Ball war durch viele Jahre der Ball der Bälle in der Kreisstadt Winsen.


1957 wurde die technische Grenzschutzabteilung Nord aufgestellt. Zunächst bezog sie ein Barackenlager in Heidenau bei Tostedt. Fünf Jahre später kam – nach langen Verhandlungen – Winsen zum Zuge. Am 2. Juni 1962 marschierte der BGS mit klingendem Spiel in die Luhestadt ein. Es regnete in Strömen. Aber die Stimmung war gut. Winsen freute sich, dass es jetzt Garnison war.


Von Winsen aus rückte die Grenzschutzabteilung zu spektakulären Einsätzen aus. So war sie zum Beispiel am 4. Juni 1980 beteiligt an der Einebnung des Hüttendorfes „Freie Republik Wendland“ in Gorleben. Die Winsener Grenzschützer taten Dienst auf Flugplätzen. Sie wurden eingesetzt, wenn Hamburg große Demonstrationszüge erwartete. Gerade die Nähe zu Hamburg schien äußerst günstig.


Der BGS machte sich auch in Winsen nützlich. So brachten die Grenzschützer Jahr für Jahr wieder die Weihnachtsbeleuchtung über den Straßen des Zentrums an.


Völlig überraschend war dann Schluss. Winsen hatte keine Lobby im Bundestag. Der Standort wurde gestrichen. 1999 verließ der letzte BGS-Mann die Winsener Kaserne. Es war ein trauriges Datum für die
Winsener.

 

Foto oben: Die BGS-Kapelle schwenkt ein auf den Schlossplatz. Die Winsener denken unwillkürlich an ihr Schützenfest. BGS-Männer und Schützen schließen schnell Freundschaft. Foto unten: Meldung an den Schützenkommandeur Wilhelm Massa.