1976: Entscheidende Hilfe durch Vorfinanzierung des Kreises

Die spektakulärste Wasserbauleistung in unserem Raum war der Bau des Ilmenau-Sperrwerks in Hoopte.

Am 28. Mai 1976, also 14 Jahre nach der Jahrhundertflut von 1962, konnte das Ilmenau-Sturmflutsperrwerk in Betrieb genommen werden. In Hoopte war der niedersächsische Landwirtschaftsminister Gerhard Glup erschienen und feierte zusammen mit 300 geladenen Gästen die endgültige Entwarnung für die Kreisstadt Winsen und die Mündungsbereiche von Ilmenau und Luhe.


Mit Recht wurde noch einmal nachdrücklich darauf hingewiesen, dass die notwendigen Wasserbaumaßnahmen 1969 nur in Gang gekommen waren, weil sich der Landkreis Harburg bereiterklärte, die Vorfinanzierung der ersten Baumaßnahmen zu leisten. Wie wichtig es war, die Deiche immer wieder zu überprüfen und nötigenfalls zu erhöhen, hatte man Anfang 1976 bestätigt gefunden. In der Nacht vom 3. auf den 4. Januar drängte eine Sturmflut elbaufwärts. Angesichts solcher Erinnerungen wurde der heftige Regen gegen Ende des Festakts gar nicht beachtet. Man nahm das Festzelt in Besitz und labte sich an Erbseneintopf, Köm und Bier.


Der Bau des Ilmenau-Sturmflutsperrwerks war die spektakulärste Wasserbauleistung im Landkreis Harburg. Wichtig waren auch die anderen Baustellen in den Bereichen des Harburger Deichverbandes, des Deich- und Wasserverbandes Vogtei Neuland und des Artlenburger Deichverbandes.


Die Harburger nahmen die Flutkatastrophe von 1962 zum Anlass, die abgängigen Bauwerke Siel und Schöpfwerk Fünfhausen an der Hamburger Landesgrenze durch ein Siel und ein Schöpfwerk in Bullenhau-
sen zu ersetzen.


Abgeriegelt wurde jetzt die Seevemündung. Das Seeve-Sperrwerk erlaubte es zusätzlich, Rosenweide und Over durch eine Straßenbrücke zu verbinden. Das war ein Schlag gegen die Verteidiger der historischen Seevegrenze.


Mit dem Siel Wuhlenburg war das westliche Gebiet der Vogtei Neuland zu entwässern. Auch in diesem Falle wurde ein abgängiges Siel durch ein neues ausgewechselt.

Eine weitere Aufgabe in Hoopte: die Erneuerung des Anlegers für die Fähre Hoopte-Zollenspieker.

In Hoopte entstand nicht nur des Ilmenau-Sturmflutsperrwerk. Hier mussten außerdem ein Siel und ein Schöpfwerk zeitgemäßen Anlagen weichen. Abgesehen davon musste der Harburger Verband ebenso wie der Verband Neuland seinen Abschnitt am Elbdeich in Stand setzen. In Hoopte kam dazu der Bau einer Brücke; sie führte nach Lassrönne hinüber. Schließlich war der Anleger der Fähre zwischen Hoopte und Zollenspieker zu erneuern.


Den Verbandsgebieten Harburg und Vogtei Neuland schloss sich an der Bereich des Artlenburger  Deichverbandes. Diesem Raum galten bei dem Fest- und Freudenakt am 28. Mai 1976 einige Sorgen. Eine Fülle kleinerer Renovierungsmaßnahmen wartete auf ihre Erledigung.


Die Gemeinden Seevetal, Stelle, Winsen und Elbmarsch waren unmittelbar betroffen von der Jahrhundertflut. Die zweite Bedrohung für die Marschen entlang der Elbe ging von dem Kernkraftwerk Krümmel in Geesthacht aus. Die Zahl an Leukämie erkrankter Kinder lag über dem deutschen Durchschnitt. Versuche, die Ursache festzumachen, schlugen fehl.


Das Steilufer nördlich der Elbe speichert ein wichtiges Kapitel Zeitgeschichte. Das KKW Krümmel steht auf dem Gelände der Dynamitfabrik Nobel. Hier auf der Elbe vor Krümmel entdeckte Alfred Nobel die Kraft des Dynamits. Ein Ereignis in der Lokalgeschichte.