1982: Vom kleinen ländlichen Turnier zur großen Bühne der WM 1982

Die an den Military-Weltmeisterschaften beteiligten Nationen marschierten vor dem Winsener Schloss auf - ein wahrhaft kaiserliches Bild, wie der Kaiser von Luhmühlen - Kurt-Günther Jagau - es liebte.

Luhmühlen vor 60 Jahren. Auch damals hatte Luhmühlen schon etwas mit Pferden zu tun. Der kleine Ort richtete wie so viele andere kleine Orte ein ländliches Turnier aus. Zentrum der Aktivitäten war der heimische Pferdezucht- und Reitverein. Außer aus dem eigenen Dorf kamen die Besucher von den Nachbarvereinen. Es war noch etwas Selbstverständliches, wenn ein Turnierteilnehmer auf seinem besten Pferde angeritten kam. Nach dem Ritt zum Turnierort kriegte das Pferd Wasser und Hafer, erholte sich und stand zur Verfügung für die Wettkämpfe...


Luhmühlen ist es gelungen, nach kleinsten Anfängen eine atemberaubende Karriere zu machen. Da waren viele kleine Schritte nötig, bis man groß ausschreiten und die Weltmeisterschaft der Vielseitigkeitsreiter in das Reiterdorf an der oberen Luhe holen konnte.


Zweier Voraussetzungen bedurfte es: Erstens musste man gerade für die Military-Reiter weite und möglichst schöne Landschaft vorweisen. Zweitens musste man über eine Crew begeisterter Pferdeliebhaber verfügen. Luhmühlen besaß eine ganze Reihe von aktiven Machern. Das strahlende Gestirn über ihnen hieß Kurt-Günther Jagau. Der Gutsbesitzer aus Garlstorf hatte die Gabe, mit Erfolg für den Reitsport zu werben. Er sprach anschaulich über seine Visionen und wusste immer, welche Töpfe man anzapfen konnte.


Als „Kaiser von Luhmühlen“ feierten die Luhmühlener und überhaupt die Menschen auf der Hohen Geest  des Winsener Raumes ihren Kurt-Günther. So gelang es, das Luhmühlener Turnier Zug um Zug auszubauen. Bevorzugt kümmerte man sich in Luhmühlen um die Vielseitigkeitsreiter. Der alte Name lautet Military-Reiterei. Neben Dressur und Springen liegt der Hauptakzent auf der Strecke, das heißt im Gelände. Das war genau die Disziplin der Kavallerie, der reitenden Truppe des Militärs.

Das englische Siegerteam mit (von links) Lucinda Green, Richard Meade, Virginia Holgate und Rachel Bayliss.

Luhmühlen richtete nach langen Aufbaujahren schließlich die Deutsche Meisterschaft der Military aus. Und schon war die Steigerung geschafft: Europameisterschaft. Dass es noch weiter aufwärtsgehen könnte,  mochte – außer Jagau – niemand für möglich halten. Dennoch geschah es. Im September 1982 wurden in Luhmühlen die Weltmeisterschaften der Military ausgetragen.


In das Programm wurde sehr stimmungsvoll eingebunden die Kreisstadt Winsen. Auf dem Schlossplatz nahmen zum Auftakt die 17 beteiligten Nationen Aufstellung. Das herzogliche Welfenschloss im Hintergrund bot ein kaiserliches Bild, wie der Kaiser von Luhmühlen es mochte.


Die ganze Wahrheit ist, dass es sich bei der Military nach wie vor um eine gefährliche Sportart handelt. Auf die Weltmeisterschaft des Jahres 1982 fiel Schatten, weil der Schweizer Ernst Baumann auf der Geländestrecke tödlich verunglückte. Er hatte am Ententeich die schwierigste Alternative für sich gewählt  und war daran gescheitert.


Im laufenden Jahr 2009 schrieb Luhmühlen wiederum gute Zahlen. Wie Julia Otto, die Geschäftsführerin der Turniergesellschaft Luhmühlen, bekannt gab, wurden in diesem Jahr zu den verschiedenen Veranstaltungen der CCI4 rund 28 000 Zuschauer gezählt. Eine Zahl, die insbesondere für den Fremdenverkehr in der Heide eine Perspektive darstellt.