Editorial

                      

Zu erinnern ist morgen am 1. November 2009 daran, dass der WA am 1. November 1949 zum ersten Mal erschien. Eines der üblichen Firmenjubiläen also? Das Winsener Zeitungswesen ist älter als 60 Jahre. So haben wir zum Beispiel anno 1993 bereits unser 125-jähriges Jubiläum gefeiert.


Die Sache ist die, dass 1868 die erste Zeitung in Winsen herauskam. Vereinfacht gesagt, handelte es sich um die „Winsener Nachrichten“ aus dem Hause Gebrüder Ravens. 1912 kam dann eine zweite Tageszeitung dazu: die „Winsener Zeitung“ aus dem Hause Maack’s Buchdruckerei.


Aus beiden Zeitungen wird nach dem Zweiten Weltkrieg der „Winsener Anzeiger“ (WA). Statt ihren Konkurrenzkampf fortzusetzen, gründeten die beiden Zeitungsverleger Alex Ravens und Lebrecht Maack senior den gemeinsamen „Winsener Anzeiger“, herausgegeben von der neuen Firma Ravens & Maack.  Diese Firma wird am morgigen Sonntag am 1. November exakt 60 Jahre.

 

Ein weiterer Grund, dankbar zurückzublicken, ist der, dass wir ebenfalls genau 60 Jahre Meinungsfreiheit in deutschen Landen haben, genauer: in der Bundesrepublik Deutschland. Es war ja keineswegs so gewesen, dass die westlichen Alliierten, von den Russen ganz zu schweigen, die Pressefreiheit im Gepäck gehabt hatten. Von 1945 bis 1949 durfte nur Zeitungsverleger sein, wer eine Lizenz der Besatzungsmächte besaß. Wer eine Lizenz bekam, war im Grunde ein Geheimnis der Sieger.

 

Jedenfalls ging nach Winsen keine Lizenz, und Winsen musste darum warten, bis das Grundgesetz 1949 in Kraft trat. Nun war keine Lizenz mehr erforderlich. Es konnte jeder, wie es so gern vereinfacht heißt, wieder eine Zeitung herausbringen.

 

In Winsen erschien eine neue Zeitung. Als ich dieser Tage hineinschaute in die erste Ausgabe vom 1. November 1949, machte ich eine geradezu rührende Entdeckung. In der wichtigsten Meldungsspalte des
Blattes links auf Seite 3 stieß ich nach dem Hinweis „Ab heute täglich“ (vorher waren schon zwei Probenummern erschienen) und einer Meldung über die Ausschreibung der Stelle des Oberkreisdirektors auf eine Meldung mit der Überschrift „Reformationsgottesdienst der Schuljugend“. Da erfuhr der geneigte Leser, dass eine über tausend Köpfe zählende Kinderschar in St. Marien zu Winsen zum Gottesdienst zusammengekommen war. Mich interessierte mehr das Signum: JPR. So las ich da und wusste, dass der immer noch im WA schreibende JPR tatsächlich die 60 Jahre von 1949 bis heute im WA geschrieben hat.


Die Entwicklung des redaktionellen Teils im WA machen zwei Rubrikzeilen am besten deutlich. Damals 1949 erfand man diese Zeilen. Die eine lautete „WA-Sport zum Sonntag“. Unter dieser Zeile liefen die
Vorschauen. Die Zeile „WA-Sport vom Sonntag“ brachte die Spielberichte. Zweimal Sport in der Woche, jeweils eine lokale und eine überregionale Seite. Der Leser kriegte am Ende und am Anfang der Woche Sport. Diese Erinnerung war der Anlass, genauer in die Jahrgänge der letzten Jahre hineinzuschauen. Ich strickte aber keine Liste. Das hätte langweilig werden können. Ich sammelte ohne System interessante Themen. Mit dem Mut zur Lücke.


Viel Vergnügen bei der Lektüre dieser Sonderbeilage wünscht Ihnen Ihr


Dr. Jürgen Peter Ravens
Chefredakteur