Die Urkunde von 1158 - Bardowicker Propst dachte nur an sich

                    

Der Merian-Stich zeigt Winsen im 17. Jahrhundert. Links das Schloss, rechts die Kirche ohne Turm.

            

Wo ist denn Winsen? Zollenspieker gegenüber.

Es war eine schreiende Ungerechtigkeit, was da bis 1158 im Stift Bardowick praktiziert wurde. Die Einkünfte des Stifts flossen zu fünf Sechsteln dem Propst zu. Das letzte Sechstel durften sich die Kanoniker teilen. Mehrfach schon hatten sie sich ihrem Bischof gegenüber beklagt, dass sie benachteiligt wurden. Bischof Hermann zu Verden fasste das Thema nicht an. Erst als in Bardowick durch den Tod des Propstes eine Vakanz eintrat, schritt er zur Tat.

 

In Verden wurde die finanzielle Situation des Stifts erörtert. Bischof Hermann und die zusammengetretenen Repräsentanten der Kirche waren sich einig, dass künftig zwei Drittel der Stiftseinkünfte an das Dutzend Kanoniker in Bardowick gehen mussten. Das letzte Drittel sollte der Propst haben. Am 21. Mai 1158 hielt eine Urkunde fest, wie man künftig verfahren wollte. In der Urkunde wurden sicherheitshalber die Besitztitel des Stifts aufgelistet.

 

Eine Position war der Zehnte (decima) aus Winsen. Die Verdener Urkunde von anno 1158 enthält die erste schriftliche Erwähnung Winsens. Wie alt Winsen ist, sagt die Urkunde nicht. Sie gibt lediglich an, wann Winsen in seine Geschichte eintritt. Die Geschichte eines Ortes beginnt immer mit dem ersten schriftlichen Zeugnis. Solange kein Schriftstück vorliegt, spricht man von Vor- und Frühgeschichte.

 

Im Falle Winsens gibt es vor- und frühgeschichtliche Bodenfunde in Fülle. Von der Geest her hatte sich dort, wo später die Stadt Winsen sich auszubreiten begann, eine Landzunge in das Flussgebiet der Elbe geschoben. Die Borsteler Bult lieferte Funde aus der Mittleren Steinzeit (Mesolithikum, 8000 bis 3000 vor Christus). Bedeutend größer ist die Zahl der Funde aus der Jüngeren Steinzeit (Neolithikum, 3000 bis 1700 vor Christus).

 

In der Urkunde von 1158 stehen zahlreiche Ortsnamen. Wenige der Namensnennungen stellen erste schriftliche Erwähnungen ihrer Orte dar. Das gilt außer für Winsen zum Beispiel für Borstel (Sivane Heldesborstell, ein Haus; eine ältere Namensform lautet Suanhildesbostel), Luhdorf (Luhdorff, Zehnter und ein Haus) und Roydorf (Reudorff, Zehnter und ein Haus). Entgegen älteren regionalgeschichtlichen Darstellungen gehen andere Orte weiter zurück: Wittorf auf 1004, Handorf auf 1086 und Quarrendorf auf 1154. Ein Jubiläum feiern können (1158-2008) Winsen und dessen Ortsteile Borstel, Luhdorf und Roydorf.