Feste Burg und eigne Kirche

Schloss und Stadt Winsen halten enge Nachbarschaft.

Das wichtigste Gebäude Winsens ist das herzogliche Schloss. Leider heißt das keinesfalls, dass über die Entstehung der Winsener Wasserburg – für die frühesten Jahrhunderte die treffendere Bezeichnung – Näheres bekannt wäre. Der Historiker ist auf Spekulationen angewiesen. Das Jahr der Schlacht von Bornhövd (1227) muss die Entwicklung Winsens beeinflusst haben. Herzog Otto von Lüneburg kämpfte aufgrund verwandtschaftlicher Bande auf dänischer Seite mit, das heißt, er gehörte zu den Verlierern. Er geriet in Gefangenschaft. Nur gegen ein hohes Lösegeld kam er wieder frei. Das Fürstentum Lüneburg war gehalten, seine Nordgrenze gegen die Gegner von 1227 zu verstärken.


Unwiederbringlich dahin war die bedeutende Stellung der Welfen. Heinrich der Löwe hatte die beiden Herzogtümer Sachsen und Bayern besessen. Er war neben Kaiser Friedrich Barbarossa der einflussreichste Fürst im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. 1158, als Winsen erstmals erwähnt wurde, gründete er München. Lübeck gründete er im selben Jahr neu. Nach seinem jähen Sturz wurde aus den welfischen Erblanden das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg gebildet. Durch Erbgänge entstand aus dem Nordteil das Fürstentum Lüneburg – mit Winsen.

Der Nordtrakt des Winsener Schlosses trägt noch den Burgcharakter: abweisend und verteidigungsbereit.

Ein zweites, anders geartetes Indiz spricht dafür, dass bald nach Bornhöved die Winsener Burg errichtet wurde. Das Herzogshaus zeigte plötzlich Interesse daran, die in Winsen stehende Kapelle innerhalb der Pfarrgemeinde Pattensen zu besitzen. Zwischen dem welfischen Herzogshaus und dem Lüneburger Michaeliskloster kommt 1233 ein Tauschgeschäft zustande.


Das Herzogshaus überlässt die Knutskapelle am Lüneburger Kalkberg dem ebendort ansässigen Michaeliskloster. Im Gegenzug tritt das Kloster seine Winsener Kapelle dem Herzogshaus ab. Danach verfügt der Landesherr in unmittelbarer Nähe seiner neuen Burg Winsen über eine selbstständige Kirche.


Jetzt konnten die Welfen in Winsen wohnen. Zu einer landesherrlichen Hofhaltung musste zwingend ein welfischem Patronat unterstehendes Gotteshaus gehören. Ab 1233 war dies so.


Nach 1227 und vor 1233 dürfte die Wasserburg im Norden des Fürstentums Lüneburg entstanden sein. Urkundlich festzumachen ist sie erst 1299. Erst ab diesem Datum wird Winsen immer wieder genannt.