Goethes Eckermann ging noch zu Fuß

Johann Peter Eckermann aus Winsen an der Luhe (oben), darunter (von rechts) Förderer und Superintendent Johann Christian Parisius und Gert Westphal, der ein genialer Eckermann-Interpret war.

Selbst große Strecken ging Johann Peter Eckermann, der Dichter und Goethe-Freund, zu Fuß. Das hatte nichts zu tun mit einem Training, sondern mit der Leere in seinem Geldbeutel. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts änderte sich die Verkehrssituation total. Die Eisenbahn begann zu fahren. Ab 1847 war  Winsen Station auf der Strecke Hannover-Harburg. Außerdem nahm anno 1840 die Winsener Dampfschifffahrts-Gesellschaft mit ihrer „Primus“ den Linienverkehr zwischen Hoopte und Hamburg auf.


Eckermann war der Sohn eines Hausierers aus der Winsener Altstadt; am 21. September 1792 geboren, wuchs er unter ärmlichsten Umständen auf. „Bis zu meinem 14. Jahr kam ich wenig in die Schule“, bekennt er. Womit verbrachte er seine Tage? Anton Kippenbergs Schüttelreim gibt Aufklärung: „Auf Winsen sich die Ruhe legt,/ kein Windeshauch die Luhe regt./ Da hebt Gemuh, Gemecker an:/ die Herde heim treibt Eckermann.“


Die Gesellschaft funktionierte. Der talentierte Knabe, der durch sein Zeichentalent Aufsehen erregt hatte, erhielt einen Platz am Mittagstisch des Superintendenten Johann Christian Parisius. Er kriegte auch Nachhilfeunterricht. Nach der Schule hatte er eine Stelle als Schreiber auf dem Schloss, bis er sich entschloss, den Kunstmaler Johann Heinrich Ramberg in Hannover aufzusuchen. Bei Eis und Schnee machte er sich im Januar 1815 auf einen beschwerlichen Fußmarsch.

                  

Erst 1847 begann in Winsen die Eisenbahn zu fahren.

                

In der Schmiedestraße wuchs der talentierte Knabe Johann Peter Eckermann auf.

Das Abenteuer Hannover schloss ein, dass der 22-Jährige aufs Gymnasium ging, dass er in Göttingen studierte, dass er seine „Beyträge zur Poesie mit besonderer Hinweisung auf Goethe“ verfasste, diese an den Olympier in Weimar sandte und schon der Post hinterher wanderte. Er zählte jetzt im Juni 1823 30 Jahre.


Der Altmeister mochte den Anfänger. Er betraute ihn sogleich mit literarischen Aufgaben. Die Bezahlung indessen regelte er nicht. Statt eines Einkommens hatte Goethe einen Platz in der Weltliteratur zu bieten.


Eckermann schrieb den Inhalt von rund 1000 Begegnungen mit Goethe nieder. Er tauchte ab in den Stil des Meisters. Die „Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens“ stellen die wichtigste Quelle innerhalb der Sekundärliteratur zum Opus des Großmeisters dar.


1836 erschienen die „Gespräche“. 1848 folgten Nachträge. 1838 - zehn Jahre zuvor - hatte Eckermann einen stattlichen Band mit Gedichten veröffentlicht, darunter sein großer Hymnus auf die Hamburger und Winsener „Heimath“ - so der Titel des Poems.