Die Großvogtei Winsen war gegliedert in neun Unterbezirke

                   

Blick in die Deichstraße über die erste Luhebrücke.

                    

Die zweite Luhebrücke führt von der Luheinsel herunter.

Gewonnen hatte den Lüneburger Erbfolgekrieg nicht nur die welfische, genauer: die braunschweigische Seite. Gewinner waren auch die Stadt Lüneburg und das Stättlein Winsen. Bevor der Krieg 1388 in einer Schlacht bei Winsen an der Aller mit dem Sieg der welfischen Waffen zu Ende ging, war 1378 Celle Residenzstadt des Fürstentums Lüneburg geworden. Von dem seiner Burg beraubten Lüneburg musste man Abstand nehmen. Und Winsen hatte wohl noch Erfahrungen nötig und hätte wohl auch ein bisschen größer sein dürfen.

 

Andererseits übernahm Winsen die Rolle der Großvogtei im nördlichen Fürstentum. An Großvogteien zählte man deren zwei im gesamten Fürstentum. Die eine bestand in Celle, die andere - bis vor kurzem - in Lüneburg und inzwischen in Winsen. Vogteien sind in der Regel kleinere Bezirke um eine Burg.

 

Die Großvogtei Winsen untergliederte sich in neun Unterbezirke. Laut Winsener Schatzregister von 1450 handelte es sich um:

 

1.) die Vogtei Pattensen, die von Borstel bis Stelle reichte und im Süden Garstedt miteinschloss;

2.) die Acht Ramelsloh, einen Bezirk, dem Maschen, Tötensen und Buchholz zuzurechnen waren;

3.) das Gebiet mit der Bezeichnung "In deme Elvestrome" (Elbmarsch), praktisch der Winsener Elbdeich von Haue bis Marschacht;

4.) den Bereich "In deme Bynnenlande" (Binnenmarsch), der Raum Tönnhausen - Hunden - Fahrenholz;

5.) den Bezirk "In deme Nygenlande" (Neuland), das Elbufer von Hoopte bis Wuhlenburg nebst dem rückwärtigen Land (die Bezeichnung Vogtei Neuland ist bis heute gebräuchlich);

6.) die Vogtei Amelinghausen, in der beispielsweise Munster und Bispingen lagen;

7.) die Vogtei Bienenbüttel;

8.) die Vogtei Bardowick;

9.) den Go Salzhausen.

 

Die Großvogtei erfasste Orte, die heute in den Landkreisen Harburg, Lüneburg, Soltau-Fallingbostel und Uelzen liegen.

 

Die Großvögte zu Winsen widmeten sich drei Aufgaben. Sie waren Burgbefehlshaber und kümmerten sich um alles, was mit der Landesverteidigung und dem Kriegswesen zusammenhing. Sie bekleideten für den Bereich der Großvogtei das Richteramt. Sie verwalteten schließlich den in ihrem Einzugsgebiet liegenden herzoglichen Besitz; insbesondere trieben sie die dem Herzogshaus zu leistenden Abgaben ein.

 

Mit der Verlegung der Großvogtei von Lüneburg nach Winsen beginnt die Geschichte des vielhundertjährigen Verwaltungssitzes Winsen. Bis in die Gegenwart hat die Luhestadt alle Entwicklungen mitgemacht.