Herzogin Dorothea ließ 26 Hexen verbrennen

Herzogin Dorothea. Sie heiratete mit 15.

Bevor der 30-jährige Krieg auch die Winsener Szene verdunkelte, so dass man die vielen von dem durchmarschierenden Kriegsvolk gelegten Brände umso deutlicher sah, durfte sich das Stättlein an der Luhe in der Kulisse einer kleinen Residenz gefallen. Herzogin Dorothea auf dem Schloss zu Winsen war das zu verdanken.

 

15 Jahre jung, wurde die Tochter des dänischen Königs Christians III. aus dem Hause Oldenburg mit Herzog Wilhelm dem Jüngeren von Celle verheiratet. Mit großem Pomp feierte man anno 1561 die Hochzeit. Der königliche Bruder der Braut, Friedrich II. von Dänemark, reiste mit 600 Personen Gefolge ins Lüneburger Land.

 

32 Jahre später war die Schwester Witwe. Acht Töchter und sieben Söhne hatte sie ihrem Gemahl geboren. Aber das Familienglück war nicht beständig. Wahnvorstellungen befielen den Gatten. Eine Geisteskrankheit raffte ihn hinweg. Auf Dorothea wartete Winsen. Mit Schloss, Stadt und Amt war sie „beleibzüchtigt“, wie man das nannte.


Energisch ging die 46-Jährige daran, das Winsener Schloss ihren Vorstellungen entsprechend herzurichten. Die Familie musste sie dabei finanziell unterstützen. Wer sie zu benachteiligen suchte, riskierte einen Prozess. In einer juristischen Auseinandersetzung fiel die Dorothea fortan anhängende Charakterisierung, sie sei ein „bitter bös Wief“.

Den Marstall am Schlossplatz errichtete Herzogin Dorothea. Winsen dankt es ihr noch heute.

Mag sie bei Gelegenheit auch das gewesen sein, im Vordergrund stand ihre Tatkraft. Das östliche Portal des Schlosses wurde ein Stück nach Norden gerückt, so dass ins Erdgeschoss des Turmes eine Kapelle eingebaut werden konnte. Hier empfing die hochgebildete Herzogin zum Beispiel den Hamburger Hauptpastor an St. Katharinen Philipp Nicolai, einen geistreichen Theologen und frommen Dichter von Kirchenliedern. Die bekanntesten sind "Wie schön leuchtet der Morgenstern?" und "Wachet auf, ruft uns die Stimme!". Diese beiden und zwei weitere Lieder druckte der Lüneburger Hans Stern in Plattdeutsch.

 

Zu Dorotheas Zeiten kriegte der Schlossturm eine neue Glocke. Noch heute mahnt sie: "Wachet und betet alle Stund. Wann der Herr kumbt, ist niemand kund." Der Marstall wurde errichtet. Die Herzogin stiftete den Winsener Schützen einen Preis. Kindern schenkte sie Spielzeug. Allenthalben war die Hand der Wohltäterin spürbar.

 

Bei alledem hatte sie sicher nichts von einer Heiligen. Sie war ein Kind ihrer Zeit. Dass es in Winsen und in den Dörfern ringsrum Hexen gab, nahm sie gläubig zur Kenntnis. Von 1611 bis 1614 liefen in ihrem Schloss 30 Hexenprozesse. 26 Todesurteile ergingen. Vollstreckt wurden sie, wo sich heute der Friedhof an der Lüneburger Straße befindet. Man verbrannte die Verurteilten lebendigen Leibes. Drei Hexen starben während ihrer Prozesse aufgrund der Folter. In einem einzigen Fall erfolgte ein Freispruch. Auf die 29 Hexen kam ein männliches Wesen: ein Hexer.