Seit 1885 Kreis Winsen - seit 1932 Landkreis Harburg

Bekannt war Winsen für die Auktionen in der Viehhalle.

Schon zu Zeiten der Vogteien machte es sich gut, dass Winsen das Präfix „Groß“ voranstellen konnte. Die Großvogtei Winsen war die beherrschende Verwaltungseinheit im nördlichen Fürstentum Lüneburg. Zielpunkt der kommunalpolitischen Entwicklung war der moderne preußische Landrat. Aber ehe er in Winsen und anderswo etabliert wurde, durchmaß der lüneburgische beziehungsweise hannoversche Amtmann seine Zeit.

 

Insgesamt 29 Ämter umfasste das Fürstentum Lüneburg nach dem Ausbau der Ämterverfassung. Zwei davon nahmen eine Sonderstellung ein: Celle, die ehemalige Großvogtei, mit zwölf untergeordneten Bezirken, und Winsen, die ehemalige Großvogtei, mit immerhin acht Unterbezirken.


Dieser Umstand rechtfertigt es, einen neuen Begriff in die regionalgeschichtliche Literatur einzubringen: Großamt nach dem Muster Großvogtei. Das Großamt Winsen bildeten das Stättlein Winsen, die Marschvogtei (Elb- und Binnenmarsch) sowie die sechs Amtsvogteien Neuland, Bardowick, Pattensen, Garlstorf, Amelinghausen und Bienenbüttel.


Vor der preußischen Annexion des Jahres 1866 vollzog die alte hannoversche Administration 1852 den wichtigen Schritt der Trennung von Verwaltung und Justiz. Neben die Ämter - bisher Verwaltungsbehörden im weitesten Sinne, die Funktionen der heutigen Finanzämter, der Polizei und der Justiz eingeschlossen - traten nun die Amtsgerichte, reine Justizbehörden. Die Amtsgerichte behielten die Preußen bei. Aus den hannoverschen Ämtern entstanden preußische Kreise.


Die Kreisordnung für die Provinz Hannover, das ehemalige Königreich Hannover, wurde mit Rücksicht auf die hannoverschen, sprich: welfischen Gefühle erst 1884 erlassen. In Kraft trat sie im Jahr darauf. Auf dem Schloss zu Winsen amtierte künftig ein preußischer Landrat.


Aber schon am 3. September 1932, also noch zur Zeit der Weimarer Republik, erließ Preußen die „Verordnung zur Verbilligung und Vereinfachung der Verwaltung“. Sehr schnell, nämlich schon zum 1. Oktober 1932, wurde sie umgesetzt. Unter Einschluss eines Teils des Kreises Jork entstand aus dem Kreis Winsen und dem Landkreis Harburg der neue Großkreis Harburg mit Sitz in Harburg. Der Großkreis hatte
78.000 Einwohner (Landkreis Harburg 40.000; Kreis Winsen: 33.000; Kreis Jork: 5000). Die nächste einschneidende Veränderung der politischen Landkarte brachte das Groß-Hamburg-Gesetz von 1937. Die ehedem hannoversche Stadt Harburg war nun ein Hamburger Bezirk.


Als am 25. Oktober 1944 ein Luftangriff die Harburger Kreisverwaltung in der Eißendorfer Straße zerstörte, bot sich das Winsener Schloss als Ausweichquartier an.

                 

1958 beschloss der Kreistag, dass Winsen Kreissitz sein sollte. Im Schlosspark entstand ein neues Kreishaus.

 

Der denkwürdige Kreistag vom 30. Juni 1958 zu Brackel beendete das Provisorium. Das Kreisparlament entschied sich für Winsen als Sitz der Kreisverwaltung des Großkreises. Mit 21 zu 18 Stimmen fiel die so wichtige Entscheidung für Winsen - für das Verwaltungszentrum einer Großvogtei, eines Großamtes und eines Großkreises, um den von Winsener Ohren geschätzten Dreiklang hier noch einmal anzuschlagen.