Lüneburger Bürger stürmten die Burg auf dem Kalkberg

1371 wurde die Burg auf dem Lüneburger Kalkberg zerstört.

Konnten die Welfen ihren Status auf der nordwestdeutschen Landkarte behaupten? Der Lüneburger Erbfolgekrieg stellte die Frage. Mit Herzog Wilhelm dem Älteren starb 1369 das ältere Haus Lüneburg aus. Ein männlicher Nachfolger war nicht vorhanden. Zwar schloss Wilhelm vier Ehen, aber aus ihnen gingen nur zwei Töchter hervor. Also musste der Braunschweiger Zweig des Herzogshauses die Nachfolge antreten. Herzog Magnus II. Torquatus stand für diesen Fall bereit - ein brutaler Haudegen.

 

Die Lage komplizierte sich dadurch, dass die Reichspolitik einen weiteren Bewerber ins Spiel brachte. Kaiser Karl IV. versprach das Fürstentum Lüneburg den Askaniern, konkret: Herzog Albrecht von Sachsen-Wittenberg. Von der Stadt Lüneburg verlangte Karl, dass sie Albrecht huldigte, sowie der sich sehen ließ.

 

Die Askanier fanden ihre natürlichen Mitstreiter in den Lüneburger Sülfmeistern. Diese waren durch ihre wirtschaftliche Macht auf der Saline und durch ihre politische Macht im Rat der Stadt die einflussreichsten Kräfte in der Hansestadt.

 

Gegen ihren Rivalen aus Braunschweig gelang den Lüneburgern ein wirkungsvoller Schlag. Am Vorabend des 2. Februars 1371, des Tages Mariae Lichtmess, mischten sich Bewaffnete in Frauengewändern unter die zum Vespergottesdienst in St. Michaelis aus halber Höhe des Kalkbergs emporsteigenden Kirchgängerinnen. Zwischen den Verkleideten und dem Askanier Albrecht bestand Einvernehmen darüber, dass Herzog Magnus Torquatus seine Zwingburg auf dem Kalkberg entrissen werden sollte.

 

Der Überfall der Bürger gelang. Der auf der Burg befehlende Hauptmann, Segebant van dem Berge, wurde durch Axthiebe erschlagen. Die Zerstörung des festen Hauses der Landesherrschaft geschah gründlich. Wie sich versteht, besaßen die Sülfmeister von Albrecht das Versprechen, in Lüneburg keine neue Burg zu errichten. Nur ein ferner Landesherr war ein guter Landesherr nach dem Verständnis der wirtschaftlich und politisch gewichtigen Salzstadt.

 

In der St.-Ursula-Nacht vom 20. auf den 21. Oktober 1371 suchte Magnus II. Torquatus die Schlappe von Mariae Lichtmess rückgängig zu machen. Er überfiel die Hansestadt. Aber die war auf der Hut. Die Bürger wehrten den Angriff ab. Der Held der Nacht war ein Bäckergeselle. Er tötete 22 Braunschweiger Soldaten.

 

Die Auseinandersetzung zwischen Magnus und Albrecht hatte der Askanier verloren. Das Welfenhaus behielt das Fürstentum Lüneburg, musste indessen immer wieder Teilungen seines Gebiets in Kauf nehmen.