Für WINSENER NACHRICHTEN und WINSENER ZEITUNG kam der WA

Zeitungsvertrieb in den 30er-Jahren: mit Motorrad.

Die preußischen Verwaltungskreise von 1885 entwickelten sich zu Lebenskreisen, indem sie ein
ganz spezifisches Zusammengehörigkeitsgefühl ermöglichten und schufen. Dabei fanden neue Begriffe in den alltäglichen Sprachgebrauch Eingang. Sie beschrieben die aktuelle Wirklichkeit des 19. Jahrhunderts. Hier eine Auswahl:


Kreisstadt – die Bezeichnung zielt nicht nur auf den Verwaltungssitz. Das Wort Kreisstadt schließt ein, dass sich hier Menschen des Kreisgebietes treffen. Die Winsener Jahrmärkte von einst waren Treffpunkte der Menschen aus Marsch und Heide. Die riesigen Auktionen in der Winsener Viehhalle setzten jeweils Hunderte von Menschen aus allen Dörfern des Kreises in Bewegung. Kreisfeuerwehrtage oder Kreissängerfeste erfüllten die Kreisstadt ebenso mit pulsierendem Leben.


Oder nehmen wir den Kreistag – er ist nicht nur ein Beschlussgremium. Seine Mitglieder wirken jeder in seinem Ort und in seinem Lebensbereich als Ansprechpartner, Initiatoren und Multiplikatoren. Das Kreishaus – es bietet Arbeitsplätze; es gehört in die städtebauliche Kulisse.


Und erst das Kreiskrankenhaus – hier sind Hunderte von Menschen beschäftigt, und Tausende von Menschen erfahren Hilfe.


Oder nehmen wir den Bereich der Wirtschaft: Wer Geld hat, vertraut es womöglich der Kreissparkasse an; und wer keins hat, kriegt dort womöglich einen Kredit. Die Kreishandwerkerschaft ist nicht nur eine Organisation und der Kreisveterinär nicht nur ein Beamter.

 

Die Kreisstraßen stellen Nahverbindungen her. Die Kleinbahnen nach Hützel und Niedermarschacht kamen zum Fahren, weil der Kreis sich dafür einsetzte und sie sogar mitbetrieb.

 

Die Kreisschulinspektoren, das heißt die Superintendenten, nahmen bis Ende des Kaiserreichs die Schulaufsicht wahr. Die Kreisberufsschule (heute: Berufsbildende Schulen) ist die größte Schule im Kreisgebiet. Die Kreisvolkshochschule hilft bei der Bewältigung der Freizeitproblematik. Auf ganz andere Weise tut dies der Kreissportbund mit seinen Kreisklassen und Kreisligen.

 

Der Kreiskalender informiert über die lokale Geschichte. Der Kreiskulturpreis macht auf die unterschiedlichen Felder kultureller Betätigung aufmerksam. Das Freilichtmuseum am Kiekeberg ist das Kreismuseum.


Das Kreisblatt, die Kreisblätter dürfen in dieser Aufzählung nicht fehlen. Der Kreisbewohner wird geboren, verlobt und verheiratet sich, hat beruflichen Erfolg oder Misserfolg, stirbt in seinem Kreisblatt.

 

In Winsen kam 1868 das „Wochenblatt für Stadt und Amt Winsen an der Luhe & Elbe“ heraus. Ab 1870 erschien das Blatt unter dem Titel „Winsener Nachrichten“. 1907 wurde es Tageszeitung. 1912 trat
neben die „Winsener Nachrichten“ die „Winsener Zeitung“. Nun hatte die Kleinstadt Winsen zwei Tageszeitungen.


Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlossen die Verleger der „Winsener Nachrichten“ (Alex Ravens) und der „Winsener Zeitung“ (Lebrecht Maack), eine gemeinsame Zeitung herauszugeben. Am 1. November 1949
meldete sich der „Winsener Anzeiger“ zu Wort. Im Handumdrehen die Nummer 1.