1970: Der neue Standort war die Stadtkernentlastungsstraße

Auf das Verlagsgebäude kommt ein weiteres Stockwerk. Der Kran will mit dem WA hoch hinaus. Noch ist das Gebäude gelb...

Seine Ankunft am Schlossring feierte der WA ausgiebig. Damals 1970 allerdings hatte die Straße noch keinen Namen. Das wäre auch nicht möglich gewesen; denn es gab die Straße noch nicht.

 

Der WA hatte ein Gartengrundstück hinter Maack’s Buchdruckerei erworben, damals Bahnhofstraße 30 A, heute Schlossring 5. Es war bekannt, was die Stadt plante. Es gab einen Plan mit der Stadtkernentlastungsstraße. Die neue Straße sollte entlang dem soeben erworbenen Gartengrundstück
verlaufen. In naher Zukunft sollten die Lieferwagen und die Pkw des Verlages direkt an der Entlastungsstraße beheimatet sein, das heißt mitten drin im Straßennetz Winsens und des Kreisgebietes.

 

Bisher hatte der Verlag in gemieteten Räumen gearbeitet, und zwar im Hause Gebrüder Ravens am Schlossplatz und in Maack’s Buchdruckerei, zunächst Ecke Eckermannstraße/Wallstraße und dann in
der Bahnhofstraße. Nun besaß die Firma Ravens & Maack eigene Räume.


Am 20. Oktober 1970 wurde Richtfest gefeiert am projektierten Schlossring. Wenige Wochen später folgte ein spektakulärer Imbiss direkt am Neubau. Ein vier Zentner schwerer Ochse namens Fido drehte sich am Spieß. Über 600 Portionen wurden ausgegeben. Mitessen konnten Weihnachtseinkäufer mit einem Kassenbon eines am WA-Weihnachtspreisausschreiben beteiligten Geschäfts.

 

Inzwischen wurde schon am Schlossring gedruckt. Im Erdgeschoss hatte der WA seine erste Rotation aufgestellt. Sie löste die ausgediente VOMAG der Buchdruckerei Gebrüder Ravens ab. Erstmals kam Farbe ins Blatt, einstweilen allerdings nur eine Zusatzfarbe.

...nach der Vergrößerung erstrahlt das WA-Gebäude in den Farben Rot und Silber. Oben prangt als neuer Schriftzug das Wort "PRESSE-ZENTRUM".

Schon 1974 bot sich dem WA die Möglichkeit, eine leistungsstärkere Rotation zu erwerben. Ein portugiesischer Weinhändler war der Meinung gewesen, nur eins fehle ihm noch zu seinem Glück, nämlich eine Zeitung. So kaufte er in Deutschland eine MAN und ließ sie in der Altstadt von Lissabon zum Laufen bringen. Es war nur ein Probelauf. Der Weinhändler stellte niemals einen Redakteur oder einen Anzeigenverkäufer ein. Die unbenutzte Maschine ging nach Winsen. Die beiden WA-Verleger Maack senior und Dr. Ravens flogen nach Lissabon und kauften die Maschine. 21 Jahre später 1995 begann die Uniman 4/2, eine 32-seitige Offsetrotation von MAN, am Schlossring zu laufen. Leser und Anzeigenkunden verlangten nach mehr Farbe. Gleichzeitig stockte der WA das Verlagshaus um ein zweites Obergeschoss auf, das Richtfest war am 13. Mai 1996.

 

Parallel zur Druckerei entwickelte sich die Setzerei. 1971 schaffte der WA seine erste Setzmaschine an. Es folgten zwei weitere Setzmaschinen. Eine größere Kapazität war nötig, weil der WA das "Wochenblatt Marsch & Heide" gründete (1972).

 

Wie rasant der technische Fortschritt war, vermochte niemand vorauszusagen. Beim WA hatten die Setzmaschinen 1983 ausgedient. Die Umstellung vom herkömmlichen Bleisatz auf elektronisch gesteuerten Fotosatz war abgeschlossen.

 

In der Redaktion, in der Anzeigenabteilung und in Vertrieb und Buchhaltung verschwanden die Schreibmaschinen. Der Bildschirm eroberte die Schreibtische. Gutenbergs Bleizeitalter ist endgültig Vergangenheit.

 

Die beiden WA-Verleger 1995 vor ihrer neuen MAN-Rotation, links Lebrecht Maack, daneben Dr. Jürgen Peter Ravens. In der Maschine der Drucker Manfred Ditschker.