1952 - Statt Konkurrenzkampf lieber Kooperation im NZV

1976 lud der Niedersächsische Zeitungsverlag (NZV) seine Kunden zu einer Schiffsfahrt auf dem Elbe-Seiten-Kanal ein. Eingezeichnet sind die Verlagsorte des NZV. Vorübergehend gehörte auch Burgdorf dazu.

 

Die zeitungslose, die schreckliche Zeit dauerte in Winsen exakt 54 Monate beziehungsweise viereinhalb Jahre. Planlos war die Zeitungsproduktion im April 1945 beendet worden. Die Ausgabe der „Winsener Nachrichten“ für den 19. April konnte redaktionell noch abgeschlossen werden. Auch der Umbruch verlief normal. Aber ans Drucken war nicht zu denken. Es gab keinen Strom. Die Rotation konnte nicht anlaufen und die Auflage drucken. So endet im WA-Archiv die Reise der „Winsener Nachrichten“ mit dem 18. April 1945. Es war der Tag vorm Einmarsch der Engländer.

 

Als 1949 der WA gedruckt werden sollte und auf jeden Fall genug Elektrizität verfügbar war, stellte man fest, dass die so lange nicht benutzte Rotation stark verrostet war. In einem Kollegenbetrieb wurden die ersten Nummern des WA gedruckt. Derweil suchte Gebrüder Ravens eine passende Maschine, fand eine und holte sie auf einer abenteuerlichen Lkw-Fahrt nach Winsen.

 

Das Grundübel des Winsener Zeitungsmachens bestand darin, dass der Konkurrenzkampf mit der „Landeszeitung“ viel kostete und nichts brachte. In Uelzen, Lüchow, Soltau und Wittingen sah es genauso aus, ja auch Lüneburg stand vor der Frage, ob nicht eine Neuordnung der Zeitungslandschaft zwischen Aller und Nordsee akut war.

 

Die Lösung hieß am Ende NZV (Niedersächsischer Zeitungsverlag). Die Lizenzzeitung stellte ihre Lokalausgaben in den von ihr beherrschten Städten und Landkreisen ein. Damit stiegen die Auflagen der wiedererstandenen Zeitungen. Auf der anderen Seite erklärten sich die neu auf den Markt gekommenen Lokalblätter bereit, einen von der „Landeszeitung“ hergestellten Mantel abzunehmen. Als Mantel bezeichnet man den überregionalen Teil einer Lokalzeitung. Der Mantel kann von verschiedenen Zeitungen getragen werden.

 

Die Kosten für den harten Konkurrenzkampf fielen weg. Die „Landeszeitung“ und ihre künftigen Partner bildeten in Lüneburg eine Mantelredaktion. Entsprechend ihrer Auflagen waren die einzelnen Verlage daran beteiligt.

 

Am 17. September 1952 kamen die künftigen Gesellschafter des NZV in Uelzen zusammen. Sie waren sich einig, dass der Zusammenschluss im NZV das bisherige Hauptproblem lösen konnte. Tatsächlich begann der NZV am 1. Januar 1953 zu arbeiten.

 

In den Anfängen umfasste der Mantel gerade mal diese Seiten: die Seite 1 mit Politik, die Seite 2 ebenfalls mit Politik, die Deutschland-Seite mit niedersächsischer Landespolitik sowie wöchentlich zwei Sportseiten, die eine mit Vorschauen, die andere mit Ergebnissen. Dazu kamen später die in Boulevardstil gestaltete Seite „Aus aller Welt“, zwei Medienseiten, am Sonnabend drei, und immer wieder Sonderseiten zu herausragenden Ereignissen.

 

Außer für die Mantelproduktion ist der NZV für den Verkauf überregionaler Anzeigen da. Hinter den sechs Titeln des NZV verbirgt sich eine verkaufte Auflage von insgesamt über 100 000 Exemplaren.