1948/49 - Erst die Währungsreform, danach die Pressefreiheit

Seit 1949 gibt es den WA; er ging aus WINSENER NACHRICHTEN und WINSENER ZEITUNG hervor.

Die Pressefreiheit hatten die Alliierten des Zweiten Weltkriegs nicht im Gepäck. Die Russen hielten davon gar nichts. England, Frankreich und USA gingen zögerlich vor. Eine Zeitung verlegen durften nur ausgewählte Personen ohne nationalsozialistische Vergangenheit. Sie bekamen unter Umständen eine Lizenz und durften Zeitung machen.


Winsen lag in der britischen Zone und kriegte keine Lizenz. Lüneburg dagegen wurde mit einer Lizenz ausgestattet. Dorthin ging die dritte von den Engländern vergebene Lizenz. Empfänger waren (im Abc): Walter Bergmann (Technik), Harald Bumann (Vertrieb), Heinz Diestelmann (Redaktion), Ernst Riggert (Chefredaktion) und Ernst Wiesemann (Finanzen). Die von ihnen gegründete, erstmals am 15. Januar 1946 erschienene „Landeszeitung“ war die einzige Zeitung zwischen Nordsee und Aller. Die Auflage betrug 220000 Exemplare.


Die Familie der berühmten Bibeldrucker von Stern, bis Kriegsende 1945 Verleger der „Lüneburgschen Anzeigen“, musste ihren Betrieb an die Lizenzträger verpachten. Später fand man eine Möglichkeit, die von Sterns an der „Landeszeitung“ zu beteiligen.


Bis Winsen wieder eine eigene Zeitung bekam, dauerte es mehrere Jahre. Da mussten erst zwei wichtige Ereignisse den Boden ebnen, bezeichnenderweise kam erst die neue Währung und dann der neue Staat.


Der lang erwartete Tag X, der Tag der Währungsreform, war der 20. Juni 1948. An diesem Sonntag kriegte jeder Deutsche in den drei Zonen der Westmächte ein Kopfgeld von 40 Deutschen Mark. Es war ein regnerischer Sonntag. Die Sonne des Wirtschaftswunders ließ sich nur zaghaft blicken. Am Montag  überraschten alle Geschäfte mit einem überwältigenden Warenangebot.


Am 8. Mai 1949 beschloss der Parlamentarische Rat das Grundgesetz. Am 24. Mai trat es in Kraft. Der Lizenzzwang erlosch. Jeder Verlag durfte eine Zeitung herausgeben. So auch die beiden Zeitungsverlage in Winsen: Gebrüder Ravens mit den „Winsener Nachrichten“ und Maack’s Buchdruckerei mit der „Winsener Zeitung“.


Entscheidend war, dass sich die beiden Verleger, Alex Ravens und Lebrecht Maack senior, entschlossen, künftig gemeinsam zu handeln. Es entstand der Verlag Ravens & Maack mit dem „Winsener Anzeiger“.


Am 27. und am 29. Oktober 1949 erschienen Probenummern der neuen Zeitung. Seit dem 1. November 1949 kam sie täglich heraus. Das Grundgesetz garantierte Pressefreiheit. Der „Winsener Anzeiger“ - die
sich schnell durchsetzende Kurzform: WA - steht für 60 Jahre Pressefreiheit!


Beide Verleger werden im Impressum genannt. Alex Ravens zeichnete als Lokalschriftleiter für den Heimatteil verantwortlich. Die überregionalen Nachrichten bezog der WA von der Niederdeutschen
Verlags GmbH Hamburg; deren Hauptschriftleiter war Karl Heinz Balzer. Als Anzeigenleiter stand Lebrecht Maack senior im Impressum.