Samtgemeinde Hanstedt

Gemeinsamer Nenner ist die schöne Landschaft

Das Rathaus der Samtgemeinde Hanstedt ist ein Schmuckstück für das ganze Dorf. 1987 wurde es eingeweiht.

Was die Dörfer der Samtgemeinde Hanstedt gemeinsam haben? - Die Schönheit der Landschaft ist es, und sie ist das eigentliche Kapital der kommunalen Einheit, die 1972 aus der Taufe gehoben wurde. Dass Hanstedt Verwaltungssitz werden musste, war von vornherein klar. Rund um die St.-Jakobi-Kirche hatte sich das Dorf schon vor der Gemeindereform zu einer Dominante in der Nordheide gemausert.

 

Fraglich war jedoch bis zuletzt, welche Dörfer dazugehören sollten. Ziel der Reformer war von vornherein, die drei bestehenden Kirchspiele Hanstedt, Egestorf und Undeloh, ergänzt um Thieshope aus dem Kirchspiel Pattensen, zu einem leistungsfähigen Gebilde mit rund 10.000 Einwohnern zusammenzufassen. Denn in Fremdenverkehr und Naherholung, in Wohnen, Handwerk und Gewerbe, Land- und besonders auch Forstwirtschaft war der gemeinsame Nenner der Gemeinden in diesem Raum erkannt worden. Eigentlich wollte Tangendorf auch noch dazukommen, doch diesem Wunsch wurde nicht entsprochen: Statt der Gemeinde Brackel wurde Tangendorf der Gemeinde Toppenstedt und damit der Samtgemeinde Salzhausen zugeordnet.

 

Es hat nicht nur Zustimmung zur Gebiets- und Verwaltungsreform gegeben, und besonders Quarrendorf hat lange Distanz zur "Zwangsgemeinde Hanstedt" gewahrt. Aber mit nur 400 Einwohnern hätte Quarrendorf auf lange Sicht keine Chance auf Eigenständigkeit gehabt. Formationen auf freiwilliger Basis taten sich im Vorfeld der Gemeindereform auf wie die "Buchwedel-Runde", die eine Gemeinde rund um das große Waldgebiet vorsah - das Zentrum hätte sozusagen im "finsteren Tann" gelegen.

 

Im Gegensatz zu diesem Vorschlag hat sich die Konzeption der Samtgemeinde Hanstedt als durch und durch vernünftig und vorteilhaft für alle der 15 früheren selbstständigen Gemeinden erwiesen, die mit der Verwaltungsreform in sechs Gliedgemeinden zusammengefasst worden sind. Mit der Einweihung des Rathauses im Jahr 1987 fand die neue Gemeinschaft Ausdruck in einer architektonisch ansprechenden Form.

 

Aus Gemeinden & Ortsteilen

Hanstedt - Klangvolle Konzerte, bildende Kunst und fröhliche Feste

Riese Bruns schleudert Steine auf dem Hanstedter Dorfplatz zwischen St.-Jakobi-Kirche und altem Dorfkrug.

Die Heide hat einen guten Klang, und damit ist nicht etwa nur das Summen der Bienen gemeint. Mit ihnen wetteifern alljährlich zahlreiche Künstler im Hanstedter Küsterhaus und in der Hanstedter St.-Jakobi-Kirche. Doch damit nicht genug: Auch in der St.-Stephanus-Kirche zu Egestorf und in der St.-Magdalenen-Kirche zu Undeloh ist musikalisch viel los, während der Sommermonate sind hier im Rahmen der Reihe "Musik in alten Heidekirchen" zahlreiche Konzerte zu hören.

 

Doch zurück nach Hanstedt: Eine ganz besondere Rolle spielt die bildende Kunst im Hanstedter Küsterhaus: Dort sind nicht nur regelmäßig Ausstellungen der romantischen Richtung zu sehen, dort sind auch unter künstlerischer Anleitung Feierabend- und Urlaubsmaler am Werk. Verschiedene Galerien machen ebenfalls mit regelmäßigen Kunstausstellungen auf sich aufmerksam.

 

Überhaupt kennen die Hanstedter keine Langeweile: Neben den üblichen ländlichen Festen werden hier sogar einige gefeiert, die es anderswo nicht oder nicht mehr gibt: Von der alljährlichen Holzauktion zu Silvester ist die Rede und vom Pfingstmarkt, der Jahr für Jahr viele Besucher anzieht. Auch der Faslam hat gewaltig zugelegt in der Publikumsgunst, und das Schützenfest ist ein Selbstgänger im Dorf. Ganz zu schweigen vom Weihnachtsmarkt, zu dem Knecht Ruprecht schon so manches Mal vom Himmel herab ins Dorf gekommen ist.

 

Nindorf - Der Elch frisst vom Bock, die Hühner gackern

Hungrige Wegelagerer sind stets im Wildpark Lüneburger Heide in Nindorf zu erwarten: Die Ziegenherde meckert jedem Gast entgegen.

Frische Weidensprösslinge sind die Lieblingsmahlzeit für den Elch im Wildpark Lüneburger Heide, und sie werden ihm auf einem Bock serviert, weil er sich nicht bis auf den Boden bücken kann: In Nindorf haben mehr Tiere als Menschen Heimrecht, doch diese Tiere locken wieder Menschen an: Tausende von Besuchern haben den Wildpark als eine interessante Erholungsmöglichkeit kennengelernt und sagen's weiter.

 

Im Dorf gackern nur noch hier und da Hühner. Im Wildpark gackern sie im großen Chor, und zwar die unterschiedlichsten Rassen. Das macht seinen besonderen Reiz aus: Neben seltenen Tieren aus aller Herren Länder präsentiert er heimisches Viehzeug, das früher mit den Menschen Gemeinschaft hielt auf dem Bauernhof.

 

Der hat in Nindorf eine große Geschichte, ist doch der Eylershoff schon aus dem Jahr 1190 bezeugt. Obwohl die Hamburger Wasserwerke im Nindorfer Wald eine große Entnahmestelle haben, gruben sie der Landwirtschaft bis heute nicht das Wasser ab, wie mancher befürchtete. Vielleicht hat ja der Riese Bruns, der am Nindorfer Brunsberg sein Grab hat, einen neuen Brunnen gegraben.

 

Ollsen - Mächtige Eichen markieren das Dorf

Wo sich die Ollsener Höhen als Ausläufer des 109 Meter hohen Hamberges mit den satten Wiesen des Auetals begegnen, ist dieses Treffen nicht ohne Folgen geblieben: Mit Eichen haben die Ollsener vor Jahrhunderten ihren Wohnort markiert.

 

Seinen Aufschwung hat das Dorf einer speziellen Landbautechnik zu verdanken. Bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts strömte die Aue ziemlich nutzlos durchs Dorf, bot Mensch und Vieh gerade eben Trinkwasser, sonst nichts. Das änderte sich mit dem Bau der Rieselwiesen. Die Wiesen links und rechts des Heidebachs wurden zu einem Rücken aufgehöht, über dessen Scheitel ein kleiner Kanal gezogen wurde, der das Wasser zu den Seiten abrieseln ließ. Der Heuertrag konnte verzehnfacht werden, bald muhten mehr Kühe im Stall.

 

Quarrendorf - Altes Dorf mit futuristischen Zügen

Der Dorfteich in Quarrendorf ist wunderschön gestaltet.

Das alte Dorf hat der Bauer und Maler Otto Ahlers in unzähligen Zeichnungen festgehalten. Seine Feder-, Tinte-, Bleistift-, Kohle- und Kreidezeichnungen zeigen Ziehbrunnen, alte Brücken, sturmzerzauste Bäume, skurrile Weidenstümpfe und behäbige Bauernhäuser, zeigen auch den Dorfteich und Rinder auf der Weide.

 

Der Strukturwechsel in der Landwirtschaft jedoch hat dieses Bild von Quarrendorf zur Geschichte werden lassen: Bauernhöfe wurden zu interessanten modernen Wohnobjekten umgerüstet, die mit ihren Materialien - Holz und Ziegelstein - an das bäuerliche Leben erinnern, nicht aber an den kargen ländlichen Alltag.

 

So hat sich Quarrendorf als das Vorzimmer zu Hanstedt in Richtung Winsen aus zu einem Ort entwickelt für Menschen, die das Wohnen als Lust erleben. Alteingesessene Quarrendorfer beobachten das mit Freude und haben ihren Teil zur Lebensqualität beigetragen, zum Beispiel mit der Ausgestaltung des Dorfteiches.

 

Schierhorn - Die Fünf-Männer-Eiche ist die große Attraktion

Ein Zentrum der Geselligkeit ist das Schützenhaus in Schierhorn, auf einer Anhöhe am Ortsrand gelegen mit Weitblick auf eine herrliche Landschaft.

Die Fünf-Männer-Eiche in Schierhorn ist Riese und Veteran zugleich. Doch sie ist nicht der einzige gewaltige Baum im Ort. Überall im Dorf begrenzen Eichen die Bauernhöfe.

 

Feuerwehrhaus, Schützenhaus und Spielplatz haben das Leben aus dem Dorfmittelpunkt an den Rand verlagert, und im Jugendfreizeitheim Weihe ganz in der Nähe ist so ziemlich immer etwas los. Neben Weihe sind Hassel und Höpen weitere Ortsteile.

 

Der Hummelsberg erhebt sich im Südosten des Ortes, und im Westen der Gemarkung quirlt die Seeve durch ihr gewundenes Bett. In der teils bewaldeten Moränenlandschaft wechselt Rot-, Schwarz- und Damwild, klopft der Specht seinen Takt und horstet der Kolkrabe - ein wunderschönes Refugium der Natur.

 

Asendorf - Beliebte Sommerfrische

In den 30er-Jahren machte Asendorf als Sommerfrische für Hamburger von sich reden. Ja, die Asendorfer haben sich schon immer gut ins Licht setzen können, und was das dörfliche Leben anbelangt, so ist Asendorf mit seinem Dorfgemeinschaftshaus in der Samtgemeinde Hanstedt tonangebend: Das 1979 errichtete Gebäude ist gut ausgebucht. Eine Verlegenheit führte zum Bau: Der letzte Gastwirt machte dicht, die Vereine standen auf der Straße.

 

Aus der Verlegenheitslösung ist die zentrale gemeindliche Einrichtung überhaupt geworden, denn so ziemlich das ganze Dorfleben spielt sich hier ab. Das Gemeindebüro ist dort ebenfalls zu finden. Feuerwehr, Landjugend und Sportverein geben einander die Klinke in die Hand, Sport- und Tennisplatz sowie das Schützenhaus in unmittelbarer Nähe, eine Grillhütte und große Parkflächen runden das Ensemble der Geselligkeit ab.

 

Das alles gab es freilich noch nicht in den 30er-Jahren, und doch zog Asendorf schon damals die Hamburger an wie Licht die Mücken. Gleich dutzendweise schossen Wochenend- und Sommerhäuser sowie Wohnlauben aus dem Boden. Diese Entwicklung bescherte der Gemeinde einen bescheidenen Reichtum.

 

Brackel - Gemütliches Bauerndorf mit futuristischem Gewerbepark

Futuristisch gibt sich Brackel am Ortseingang von der Autobahn her: Der Gewerbepark ist zukunftweisend!

Man rätselte in den 70er-Jahren, ob vom Bundeskanzler oder vom Bürgermeister die Rede war in Brackel: Beide hießen Helmut Schmidt. Doch der Brackeler Bürgermeister hatte eine weitaus glücklichere Hand als sein Bonner Namensvetter: Während es mit der Bundesrepublik eher ab- als aufwärts ging, zeigte in Brackel die Konjunktur eine stetige Aufwärtskurve. Trotz des starken Zuwachses an Gewerbe ist Brackel ein gemütliches Bauerndorf geblieben.

 

Die Landwirtschaft konzentriert sich im alten Ortskern. Die bäuerliche Dominanz war der Anlass, Brackel in die Dorferneuerung aufzunehmen. Doch man pflegt nicht nur gestrige Idylle in Brackel, denn die kann in dem Ort, der nie so recht ins Fremdenverkehrsgeschäft eingestiegen ist, die Gemeindekasse nicht füllen.

 

Dazu musste Gewerbe her, erkannte der Rat bereits in den 70er-Jahren und nutzte damit den Standortvorteil der Gemeinde direkt am Autobahnanschluss Thieshope aus. Eine Million Mark investierte die Gemeinde in die Erschließung des Gewerbegebietes und hat dies nie bereut: Ansässige Firmen sind nicht nur hervorragende Steuerzahler, sie sponsern auch immer wieder das rege Vereinsleben und das Blasorchester Brackel, das in der ganzen Region für seinen guten Klang bekannt ist.

 

Gewerbe ist eine, Sport eine andere Sache. In Brackel liegt beides dicht beieinander: Der Gewerbepark und das Sport- und Freizeitzentrum "Im Haßel" liegen für den Sprinter nur einige Atemlängen voneinander entfernt. Unter dem Buchenhain proklamiert der Schützenverein alljährlich seinen König, der auch durchaus aus Thieshope kommen kann. Thieshope gehört seit der Gebietsreform zur Gemeinde Brackel, doch der Schützenverein hat dieses Dorf schon lange vorher vereinnahmt. Neben dem Schützenhaus liegen Sport- und Tennisanlagen, ist auch eine Grillhütte für gesellige Runden zu mieten.

 

Wer Erholung sucht, findet im Gebiet "Lehmkuhlen" Stille und üppige Natur: Die Gemeinde hat diese Flächen aufgekauft und sozusagen der Natur übereignet. Damit wird der Bestand der Wasser- und Feuchtbiotope gesichert.

 

Egestorf - Ein junger Martin Luther und eine alte Reichsstelle Holz

Ein eifernder Mönch durcheilt das Dorf vom alten Friedhof schnurstracks auf die katholische St.-Marien-Kirche hin: Egestorf ist sozusagen das Wittenberg der Samtgemeinde Hanstedt: Luther-Gedenktafel und Luther-Rose an der lutherischen Kirche, seine Statue auf dem alten Friedhof, lutherische Gottesdienste in der ehrwürdigen St.-Stephanus-Kirche. Bodenständigkeit gehört zum Charakter des Kirchdorfes.

 

Seit jeher war die Kirche der Mittelpunkt des Dorfes und seiner Märkte, die in alter Tradition zur Herbst- und Weihnachtszeit bis heute fortgeführt werden.

 

Das Dorf hat - wie auch die anderen Orte der Gemeinde Egestorf: Sahrendorf mit Schätzendorf, Döhle und Evendorf - weitgehend seine Eigenständigkeit bewahrt, und man ist auf Tradition und Fortschritt gleichermaßen stolz hierzulande. Aus Liebe zur Tradition ist der wunderschöne Dorfmittelpunkt rund um St. Stephanus ortsplanerisch optimal gestaltet worden. Der Fortschritt für das Bauerndorf bekam einen kräftigen Schub durch Pastor Wilhelm Bode, der die Spar- und Darlehnskasse gründete und Landwirte zu neuen Kulturen ermutigte. In dem aufblühenden Dorf blieben natürlich Handwerk und Gewerbe nicht aus, und sie machten Egestorf bis weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt.

 

So auch die Sägerei Harms, die Anfang der 40er-Jahre eine Tankstelle für "bleifreien Kraftstoff" wurde (Reichsstelle Holz): Als das Deutsche Reich arm- und kaputtgebombt war und es weder Benzin noch Dieselkraftstoff gab, gab's Holz für Generatortrecker und -busse. Mit dem "Sprit aus dem Walde" fuhren übrigens auch Winsener Busse.

 

Döhle - Schildwache für den Naturschutzpark

Döhle ist sozusagen die Schildwache für den Naturschutzpark Lüneburger Heide. Nein, dort geht's nicht weiter mit Benzingestank, dort tritt der Lärm der Technik hinter dem Summen der Bienen zurück.

 

Im Haus der Natur erinnert der Verein Naturschutzpark (VNP) daran, was schon alles kaputtgegangen, ausgestorben oder gefährdet ist in der Heidelandschaft. Da wird der Besucher nachdenklich, wenn er die beleuchtete Hinter-Glas-Idylle betrachtet und mit der Gegenwart vergleicht. Erziehung zum sorgsamen Umgang mit der Natur ist das wichtigste Ziel dieser Einrichtung, und nicht nur die Heide profitiert davon, auch der Ort selbst mit seinem aufgehöhten Hain in der Mitte und der urigen Mauer aus Findlingen.

 

Solch einen Stein hat Döhle bei ziemlich jedem Heidegast im Brett.

 

Sahrendorf - Ein Gastarbeiter gab postalisches Gewicht

Typisch Heidedorf: Sahrendorf steht für Behäbigkeit.

Sahrendorf wäre eigentlich nicht der Rede wert, hätte nicht der Italiener Stechinelli vom herzoglichen Hof in Celle aus die Post auf Trab gebracht. Besagter Herr wurde aufgrund seiner besonderen Verdienste schon bald geadelt und in den Rang eines Generalerbpostmeisters erhoben - das war im 17. Jahrhundert die preiswerte Art obrigkeitlicher Sympathie. Dieser Herr nun ließ in Sahrendorf anno 1688 ein Posthaus bauen und vermittelte dem Bauerndorf damit den Anschluss an den Rest der Welt.

 

Den hat Sahrendorf bis heute nicht verloren, und weil das Posthaus mit Schankerlaubnis schon damals eine gute Adresse war, ist bis heute der Besucherstrom in Sahrendorf nie ausgeblieben. Doch den Grundstein zum Fremdenverkehr hat besagter Italiener gelegt, denn Krugkonzessionen wurden ansonsten nur in Kirchdörfern vergeben, und in Sahrendorf haben nie Glocken geläutet.

 

Evendorf - Im südlichsten Kreiszipfel ticken die Uhren anders

Das südlichste Dorf im Winsener Kreisgebiet hat zwar noch kein mediterranes Klima, doch die Uhren ticken dort langsamer als anderswo. Nein, die Zeit bleibt nicht stehen in dieser leicht hügeligen Landschaft, aber ihr Takt ist anders - trotz der hektischen Autobahn, die am Dorf vorbeihastet.

 

Ein Feuerwehrhaus und ein Schützenhaus markieren die regelmäßigen Treffs im Dorf, ansonsten ist es ruhig, doch keinesfalls langweilig. Die plattdeutsche Sprache wird hier gepflegt, und sie greift weit über die Ortsgrenze hinaus. Die plattdeutschen Abende im Rahmen des Egestorfer Weihnachtsmarktes gedeihen besonders schön, wenn die Evendorfer sie gestalten. Zu erzählen gibt es viel, und die schönsten Geschichten spielen sich in der nächsten Umgebung ab. Man braucht nur Muße, sie zu genießen und durchs Erzählen noch schöner zu machen, als die Wirklichkeit gewesen ist.

 

Marxen - Schöne Höfe, Heimatlied und Feuerwehr-Museum

Eine Dorferneuerung hatte Marxen hinter sich, noch bevor das Wort zum landesweiten Programm wurde.

Längst bevor die Dorferneuerung zum Polit-Programm erhoben wurde, war sie in Marxen vollzogen: In Sachen Heimat-, Brauchtum- und Ortsbildpflege sind die Marxener anderen Gemeinden um mehr als eine Nasenlänge voraus. Der Autofahrer nimmt automatisch den Fuß vom Gaspedal, wenn er durch dieses Dorf mit seinen wunderschönen Bauernhäusern fährt. In einem Heimatlied hat die Schützenkameradschaft Marxen die Verbundenheit der Bürger mit ihrem Dorf auf den Punkt gebracht: "O Marxen, mein Marxen, du wunderschöner Ort / Ich weil' bei dir so gerne, möcht nie mehr von dir fort!"

 

Es ist mehr als bauliche Kosmetik, die das Gestern bis ins Heute strahlen lässt. Marxen lebt die dörfliche Harmonie, die nicht nur im Nordheide-Chor oder im Frauenchor Nordheide ihren Klang bekommt, sondern das ganze Dorf durchweht. Ob die Sänger ihr Fest feiern, ob die Schützenkameradschaft marschiert, ob die Feuerwehr zum Ball einlädt, ob der MTV zum Sportfest bittet, das Rote Kreuz die Sammelliste kursieren lässt, die Landfrauen zur Ausfahrt einladen oder die Vereinigung zur Förderung des Kulturlebens einen "plattdütschen Nahmiddag" veranstaltet - stets ist das ganze Dorf gefordert.

 

In gemeinsamer Anstrengung konnte auch die alte Schule der Dorfgemeinschaft nutzbar gemacht werden: Die Vereinigung zur Förderung des Kulturlebens hat ein kostenloses Hausrecht bis zum Jahre 2019! In Eigenleistung putzten die Marxener ihre alte Schule innen und außen heraus, machten daraus ein Schmuckstück für den Dorfmittelpunkt.

 

Jung-Marxen hat übrigens einen ganz anderen Schnittpunkt der Interessen: Die Puppenbühne Bergner, seit 1946 in Marxen ansässig, hat sich in jedes Kinderherz eingeschrieben. Für die Erwachsenen ist das Feuerwehr-Museum von großem Interesse, das in der Wedemannschen Scheune untergebracht und an jedem ersten Sonntag im Monat geöffnet ist.

 

Undeloh - Alles dreht sich um den Fremdenverkehr

Ihre 800-Jahr-Feier im Jahre 1990 verzierte die Gemeinde Undeloh mit der Gründung einer Trachten- und Tanzgruppe. Gestickte und bestrickende Gemütlichkeit - sozusagen das Ruhpolding im Norden, denn alles dreht sich hier um den Fremdenverkehr. Und wenn Heidegäste über den Duft von Pferdeäpfeln die Nase rümpfen, dann müssen die Spuren der Kutschengespanne schnellstmöglich beseitigt werden. In der Pflicht sind die Straßenanlieger. Ein entsprechender Ratsbeschluss ist protokolliert.

 

Klein, aber fein gibt sich der Ort rund um die St.-Magdalenen-Kirche. Die wenigen Einwohner haben alljährlich einen enormen Ansturm an Urlaubern und Tagesgästen zu verkraften. Ihnen steht nicht nur eine überaus leistungsfähige Gastronomie zur Verfügung, sondern sie können auch zahlreiche Betten in Hotels, Pensionen und Privathäusern buchen.

 

In der Vor- und Nachsaison zieht sich Undeloh in hausbackene Gemütlichkeit zurück. Anfang der 90er-Jahre dürfte manch ein Undeloher diese Zeit genutzt haben, um seine Nase in die Chronik zu stecken, die anlässlich der 800-Jahr-Feier erarbeitet wurde und um die es seinerzeit regelrechten Ärger gegeben hat. Allzuviel wurde darin aus dem Nähkästchen geplaudert aus einer Zeit, da die Heide braun statt grün war.

 

Das ist sie mitunter heute noch, freilich aus anderen als politischen Gründen: Die Drahtschmiele überwuchert die violette Erika immer wieder einmal, doch für den Verein Naturschutzpark ist das kein Grund zum Lamentieren, denn dieses Problem tritt periodisch auf und lässt die Gastgeber stärker zittern, als es die Gäste stört. Die mögen nämlich die Heide so, wie sie gerade ist, mögen sie sogar im Weiß des Winters.